NEU: Stark limitierter Adventskalender  •  Schneller Gratis-Versand ab 59 € mit DHL Go Green

Hund alleine lassen, ganz entspannt – Top Tipps für faires Training gegen Trennungsstress | von Kristina Obermayr

In der Natur des Hundes ist es nicht vorgesehen, allein zu sein. Daher ist es kein Wunder, dass es für viele Hunde eine große Herausforderung darstellt. Dennoch finde ich es unerlässlich, dass ein Hund es lernen darf – wie immer in seinem ganz eigenen Tempo. Denn eines ist sicher: du tust deinem Hund nicht immer einen Gefallen, ihn überallhin mitzunehmen.
Inhalt

Entspanntes Alleinbleiben

In der Natur des Hundes ist es nicht vorgesehen, allein zu sein. Daher ist es kein Wunder, dass es für viele Hunde eine große Herausforderung darstellt.

Dennoch finde ich es unerlässlich, dass ein Hund es lernen darf – wie immer in seinem ganz eigenen Tempo. Denn eines ist sicher, du tust deinem Hund nicht immer einen Gefallen, ihn überallhin mitzunehmen.

Allgemein würde ich mich immer breit aufstellen und einen Hund daran gewöhnen, allein zu bleiben, entspannt auch mal im Auto warten zu können, bei verschiedenen Hundesittern bleiben zu können (auch über Nacht) und natürlich auch in verschiedene Situationen mitgenommen werden zu können. So kannst du immer situativ passend wählen, was gerade für euch das Beste ist. Heute konzentrieren wir uns aber voll auf das entspannte Alleinbleiben.

Entspannungszone

Im ersten Schritt sollte dein Hund eine schöne Ruhezone bekommen, in der er sich wohl fühlt, sich zurückziehen und entspannen kann. Je besser du die Entspannungszone den individuellen Bedürfnissen deines Hundes anpasst, desto weniger musst du üben, dass er sich dort aufhält. Dein Hund darf sehr gerne noch weitere Liegeplätze in der Wohnung bzw. im Haus haben, aber die Entspannungszone werten wir sehr stark auf. Mit der Entspannungszone bekommt dein Hund auch eine eigene Strategie zur Stressbewältigung ohne dich, zum Beispiel bei Gewitter.

Die Entspannungszone muss für deinen Hund jederzeit zugänglich sein und sollte sich bestenfalls in dem Raum befinden, in dem ihr euch am meisten aufhaltet, etwa das Wohnzimmer. Im besten Fall besteht diese Zone aus verschiedenen Untergründen, damit sich dein Hund sowohl im Sommer als auch im Winter dort gerne aufhalten möchte.

Ideal ist es, wenn du dort auch eine kleine Höhle (Tipi, Box, Zelt – stets offen) etablierst, in die sich dein Hund gut zurückziehen kann. Hier ist es wirklich wichtig, wie bereits oben erwähnt, auf die Bedürfnisse des einzelnen Hundes zu achten und die Zone dementsprechend auch ein Leben lang anzupassen. Viele ältere Hunde liegen mit der Zeit gerne anders als sie es in jungen Jahren getan haben!

Die Entspannungszone sollte immer in einer ruhigen Ecke aufgebaut werden. Also nicht direkt neben der Zimmertüre oder einem bodentiefen Fenster. Dein Hund sollte in der Regel in der Entspannungszone weder gekämmt werden, noch Krallen geschnitten bekommen oder ähnliche Prozeduren über sich ergehen lassen müssen – außer er genießt sie. Nun bekommt dein Hund in dieser Entspannungszone Kongs, Kaustangen, LickiMats und ähnliches. Also alles, womit er sich möglichst allein gut entspannen und beschäftigen kann. Wenn du einen sehr anhänglichen Hund hast, kannst du anfangs auch gerne gemeinsame Zeit mit ihm dort verbringen, kontaktliegen und kuscheln. Aber nach und nach darf dein Hund dann eben auch lernen, Zeit allein in seiner Entspannungszone zu verbringen.

Bestenfalls sollte dein Hund in seiner Entspannungszone nicht gestört werden. Wenn dein Hund allgemein in der Entspannungszone nicht zur Ruhe kommt, überprüfe bitte seine Stressoren des Alltags.

Angekündigte Ignorierzeiten

Sobald dein Hund sich auch ohne dich gerne entspannt in seiner Ruhezone aufhält, überlegst du dir im nächsten Schritt ein gutes Ritual für dich und deinen Hund, in dem du ihm einen Time Out ankündigst. Diese Auszeit ist am Anfang seeeeehr kurz und muss für deinen Hund individuell angepasst gut gestaltet werden, dass für ihn unter keinen Umständen Frust entsteht!!!

In den ersten Einheiten der angekündigten Ignorierzeiten bleibst du bitte statisch und sorgst für viel Ruhe in eurer Umgebung, damit es deinem Hund wirklich leicht fällt, erwünschtes Verhalten wie Rumliegen und Ruhen zu zeigen. Such dir gerne auch einen Zeitpunkt aus, in dem dein Hund sowieso sehr entspannt ist.

Dann verlängerst und verkürzt du die angekündigten Ignorierzeiten angepasst an das aktuelle Können deines Hundes. Sobald das gut und über einen längeren Zeitraum klappt, bewegst du dich ruhig und langsam auch durch die Wohnung. Mit der Zeit dann natürlich auch in „normalem“ Tempo. Hier bitte auch wieder die Zeiteinheiten immer der Tagesform deines Hundes anpassen. Je weniger Frust dein Hund mit den Ignorierzeiten verbindet, desto bester!

Räumliche Trennung

Sobald du dich gut durch die Wohnung bewegen kannst und dein Hund das in der Regel sehr entspannt erträgt, kannst du zwischendurch auch mal kurz Türen schließen und immer wieder schneller in den Raum zurückkommen, als dein Hund sich aufregen kann. Die Zeiteinheiten dann nach und nach angepasst steigern.

Ich finde es in diesem Schritt übrigens auch sehr gut, dem Hund beizubringen über einen längeren Zeitraum bei geschlossener Türe in einem Zimmer zu bleiben – auch wenn du Zuhause bist. Wenn du zum Beispiel mal Handwerker im Haus hast, kann es sehr praktisch sein, den Hund entspannt in einem Zimmer zu lassen, während draußen Trubel herrscht – sofern dein Hund es vorab gelernt hat.

Allein lassen

Und dann kommt eben auch der Moment, in dem du deinen Hund auch mal allein in er Wohnung lässt.
Überlege dir vorab, ob dein Hund die komplette Wohnung zur Verfügung haben soll. In einem Mehrfamilienhaus, kann es für einen geräuschempfindlichen Hund auch mal sinnvoll sein, ihm den Gang und die Wohnungstüre nicht zur Verfügung zu stellen.

Du gehst also dein Ritual der angekündigten Ignorierzeiten durch und lässt deinen Hund dann kurz in der Wohnung allein. Auch hier bitte mit kurzen Einheiten starten und diese sehr langsam steigern.

Verabschieden und Begrüßen

Durch das Abschiedsritual bekommt dein Hund eine Ankündigung der Ignorierzeit bzw. auch des Alleinbleibens. Das gibt ihm eine Erwartungssicherheit und sollte auch beibehalten werden.
Du darfst deinen Hund unbedingt begrüßen, wenn du wieder zurückkommst! Durch eine sehr ruhige Begrüßung zum Beispiel in der Hocke und mit einer sehr ruhigen Stimme kannst du die Situation gut gestalten.

Kameraüberwachung

Ich bin ein großer Freund davon, den Hund mit Hilfe einer Kamera zu beobachten, wenn er allein ist. So kannst du eventuelle Unsicherheiten, die immer mal auftreten können, schnell wahrnehmen und im Training nachjustieren. Besonders wichtig finde ich das auch, wenn dein Hund mal in anderer Umgebung alleine bleiben soll – Hotelzimmer, Hundesitter:in, etc.

Einmal gelernt für immer gekonnt?

Leider nein!
Es kann kranken Hunden, Hunden mit körperlichen Unsicherheiten im Alter (schlechteres Hören oder Sehen) oder auch Hunden im Laufe der Adoleszenzphase wieder schwer fallen, alleine zu bleiben. Die Adolszenzphase bezeichnet die Entwicklungsstufe zwischen Eintritt der Geschlechtsreife und dem Erwachsensein. Diese siedelt man zwischen dem 5. – 24. Lebensmonat an. Kann bei Hunden aber auch individuell bis zum 4. Lebensjahr dauern. Daher ist eine Kameraüberwachung unerlässlich und du solltest dann bitte mit sehr kleinen gut gestalteten angekündigten Ignorierzeiten entgegenwirken. Hier würde ich als Backup für die unsicheren Phasen auch immer gute Betreuungssituationen aufbauen.

Bei Mehrhundehalter:innen sollten bitte alle Hunde auch getrennt lernen, allein bleiben zu können! Das ist zwar ein ziemlicher Aufwand, aber absolut unerlässlich.

In fremder Umgebung muss ein Hund erst lernen allein zu bleiben. Bedenke dies bitte auch bei einem möglichen Umzug. Das kann er nicht automatisch – auch wenn er es in seinem aktuellen Zuhause bereits gut kann. Hier hilft dir das Ritual, um deinem Hund Hilfestellung zu geben und es in der Regel schneller wieder aufgebaut werden kann.

Außerdem können Hunde das Alleinbleiben auch wieder verlernen. Nach längeren, intensiven gemeinsamen Urlauben oder besonders auch während der Pandemie hat sich das deutlich gezeigt. Daher sollten mindestens die Ignorierzeiten immer wieder aufgefrischt werden und dein Hund auch immer wieder bewusst eine angemessene Zeit allein gelassen werden.

Verschiedene Tageszeiten

Wenn dein Hund zu jeder Tageszeit entspannte alleine bleiben soll, ist es wichtig, dass du es auch zu verschiedenen Tageszeiten übst. Andernfalls kann es dir passieren, dass dein Hund Vormittags super allein bleiben kann, aber abends deutliche Probleme mit dem Thema signalisiert.

Konditionierte Entspannung

Eine gute Hilfe für ein entspanntes Alleinbleiben kann die Konditionierte Entspannung sein. Du kannst nämlich einen Duft und/oder eine bestimmte Musik mit Entspannung verknüpfen und hier deinem Hund einen Einstieg in Ruhezeiten, die angekündigten Ignorierzeiten und das Alleinbleiben erleichtern.

Abstriche deinerseits gehören auch dazu

Ich gebe euch nun einen kleinen Einblick in unser Zusammenleben bezüglich des Alleinbleibens. Wir haben unser Ritual aufgebaut. Da in der Regel bei uns viel Musik läuft, läuft diese auch meist sehr leise, wenn unsere Terrierhündin allein ist – es geht aber auch ohne.

Falls sie abends in die Dunkelheit allein bleibt, haben wir immer im Wohnzimmer gedimmtes Licht an. Ich denke hier gar nicht, dass es unbedingt von Nöten ist, aber mir gibt es ein besseres Gefühl. 😉
Falls zum Beispiel ein Gewitter angesagt ist, achte ich darauf, dass sie nicht allein ist und sage gegebenenfalls auch Verabredungen kurzfristig ab. Mir ist es zu wichtig, dass die Mali weiterhin entspannt allein bleiben kann, als dass ich mir das leichtfertig kaputt machen würde.

Die Mali hat kein großes Problem mit Geräuschen, aber ich möchte eben auch, dass das so bleibt. Wenn ein überraschendes Gewitter auftritt, hat sie ihre sehr gut aufgebaute Entspannungszone, die Fenster sind immer geschlossen, wenn sie allein ist und die laufende Musik federt die Geräusche dann eh etwas ab. Dennoch kommen ich oder mein Freund schnellstmöglich nach Hause, um ihr Social Support bieten zu können, falls sie das wünscht.

Passe die Situationen bitte immer bestmöglich dir, deinem Hund und eurer Situation an!

Stress – weit mehr als „nur“ Bellen und Zerstören

Viele Menschen denken, dass der Hund entspannt alleine bleiben kann, wenn er nicht bellt, jault, winselt oder etwas zerstört. Dem ist aber nicht so!

Um nur noch ein paar weitere Anzeichen von Stress zu nennen:
Ruhelosigkeit, Schuppen, Haarausfall, gesteigerte Müdigkeit, übermäßiges Kratzen oder Putzen, Appetitlosigkeit, verstärkte Ängstlichkeit, Stressgesicht. All diese Faktoren wirst du ohne Kameraüberwachung häufig nicht bemerken.

Gerade in der Verhaltensberatung stellt sich leider immer wieder raus, dass viele Hunde ein weitaus größeres Thema mit dem Alleinbleiben haben, als ihren Bezugspersonen bewusst ist. Wenn der Hund aber nun regelmäßig alleine bleibt und dies nicht entspannt leisten kann, haben wir einen dauerhaften Stressor im Alltag. Hier lässt dann der Hund häufig bereits viele Nerven, die ihm an anderer Stelle des Alltags fehlen – wie Begegnungssituationen mit anderen Hunden zum Beispiel.

Uns Menschen fallen aber die meisten Unsicherheiten leider immer erst auf, wenn der Hund laut oder deutlich unangenehm für uns in Situationen wird. Die leisen Zeichen werden so häufig übersehen. Daher rate ich dir ein Mal mehr: Bitte schule dich gut in hündischer Körpersprache und Kommunikation!

Falls du dir also trotz Kameraüberwachung nicht ganz sicher bist, lass gerne mal eine geschulte Verhaltensberaterin oder einen Verhaltensberater über die Videos drüber schauen. Bestenfalls bekommst du ja nur das Feedback, dass alles in Ordnung ist.

So entspannt Dein Hund allein zu Haus – Zusammenfassung

  1. Baue eine für deinen Hund passende Entspannungszone auf und passe sie ein Leben lang den Bedürfnissen deines Hundes an!
  2. Übe ein gutes Ritual für entspannte, angekündigte Ignorierzeiten mit deinem Hund. Halte diese frustfrei!
  3. Dann kannst du Schritt für Schritt auch die Wohnung verlassen. Steigere die Zeiten nicht nur, sondern mache auch immer wieder ganz einfache, kleine Einheiten.
  4. Überprüfe in regelmäßigen Abständen, ob dein Hund wirklich noch entspannt alleine ist.
  5. Dein Hund kann nicht automatisch in fremder Umgebung alleine bleiben, nur weil er es Zuhause kann!
  6. Bau euch ein Netzwerk auf und hab für den Fall der Fälle mindestens einen Plan B.

Falls die Schritte bei dir und deinem Hund nicht greifen oder dein Hund bereits großes Stressverhalten zeigt, hol dir bitte professionelle Hilfe. Gerade bei diesem Thema kannst du so gut individuell an euer Tempo angepasst online mit jemandem zusammenarbeiten. Du kannst dich zu diesem Thema auch gerne bei mir melden.

Allerdings kann ich auch sagen, dass es einige Hunde gibt, die kein großes Thema mit dem Alleinbleiben haben und es schnell lernen. Mit meinem Artikel möchte ich einfach nur sensibilisieren und dich dazu ermuntern, dass du gut beobachtest, um nichts zu übersehen.

Alles Liebe,

Kristina
Wir Schlawiner – Coaching für Menschen mit Hund –