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#lilameets Ksenia und Arpheus aus Kiew, Ukraine

„Manchmal muss man einen Krieg durchmachen, um zu erkennen, wie wichtig Tiere für einen sind und wie glücklich man sich schätzen kann, sie zu haben.“ Ksenia hat das erste Bekleidungs-Label für Hunde in der Ukraine gegründet. Wir haben mit ihr über die Hundeliebe in der Ukraine gesprochen und darüber, was Krieg und Flucht für Hunde bedeuten. Vielen Dank, Ksenia!
Inhalt

Wie heißt Dein Hund?

Der Name meines Hundes ist Arpheus. Im Ukrainischen wird der Name korrekt mit einem „O“ geschrieben (Orpheus), aber wir mussten einen Namen mit „A“ wählen und haben deswegen gegen die richtige Schreibweise verstoßen. Orpheus ist ein Held der antiken griechischen Mythologie, aber mein Hund ist nicht nach ihm benannt, sondern nach einem Welpen aus dem Buch „Der Nebel“ des spanischen Philosophen Miguel de Unamuno.

Wie lange wohnt ihr schon zusammen?

Wir haben Arpheus als Baby bei uns aufgenommen. Er war 1,5 Monate alt. Ich hatte mir mein ganzes Leben lang einen Hund gewünscht, aber die Umstände führten dazu, dass sich mein Traum erst mit 28 Jahren erfüllte. Deshalb nenne ich Arpheus ein spätes verwöhntes Kind. Ich wollte unbedingt einen Jack Russell mit schwarzen Flecken, und das Schicksal wollte es so, dass er von sechs Welpen der einzige mit schwarzen Flecken war. Ich musste also nicht lange überlegen, ich habe ihn einfach geholt. Er ist jetzt 7 Jahre alt, was bedeutet, dass ich vor 7 Jahren einen treuen Freund und großes Glück gewonnen habe.

Seit wann arbeitest Du in der Heimtierbranche?

Ich bin seit sechs Jahren in der Heimtierbranche tätig. Seit ich ein Kind war, liebe ich Tiere, und so wollte ich mich unbedingt für Tiere engagieren. Aber zuerst ich bin zum Dolmetschen gekommen. Ich habe als Dolmetscherin gearbeitet, Geld gespart und dann das „Montmorency Tieratelier“ gegründet. Mein Atelier ist in der Ukraine ein einzigartiges Projekt. Das erste und das einzige Bekleidungs-Atelier für Hunde. Es gab viele Schwierigkeiten, da keine der Schneiderinnen wusste, wie man für Tiere näht. Etwa ein Jahr lang haben wir alle zusammen das Handwerk gelernt. Ein Jahr nach der Gründung eröffnete ich dann die erste Boutique für Haustierbekleidung in Kiew und gleich daneben auch eine Tierhandlung. Jetzt habe ich bereits mehrere in Kiew. Auch Fachgeschäfte für Tiere sind in der Ukraine ungewöhnlich. In Europa kennt man stilvolle Concept Stores für Tiere mit schöner Einrichtung und hochwertigen Produkten. In der Ukraine sehen die Zoohandlungen anders aus. Ich habe den Service in Zoohandlungen noch nie gemocht, und auch die Behandlung der Tiere hat mir nicht gefallen. Mein Pet Store hat ein eigenes Konzept und eine eigene Philosophie. Es wird im Namen von Tieren und für Tiere gemacht. Ich habe sehr hohe Ansprüche an das Personal und den Service. Alle meine Mitarbeitenden im Verkauf haben einen Hochschulabschluss in Tiermedizin, so dass sie die Kundschaft kompetent beraten können.

Wie sah das Leben von Hunden in Kyiv vor dem Krieg aus? Haben viele Menschen Hunde?

In Kiew und in der Ukraine sind Hunde sehr beliebt und es gibt es sehr viele Hunde. Manche Menschen haben zwei oder drei Hunde. Wir behandeln Hunde wie Kinder. Wir sparen nicht an den Hunden, wir suchen gerne Dinge für sie aus, kaufen ihnen neue Kleidung. Wir verwöhnen unsere Tiere. Ehrlich gesagt, bin ich von den europäischen Hundebesitzer:innen überrascht! Ich achte immer auf die Ausstattung der Hunde, und ich habe festgestellt, dass sie in Europa oft sehr alt ist. In der Ukraine ist das nicht der Fall. Mein Arpheus hat zum Beispiel etwa 10 Geschirre in verschiedenen Farben und mehrere Leinen, die farblich zu den Geschirren und zur Farbe meiner Kleidung passen. Wenn das Geschirr irgendwo zerrissen oder ausgefranst ist oder die Farbe verblichen, dann wird es entsorgt und ein neues gekauft. In Europa sehe ich Hunde, die an verschlissenen und verknoteten Leinen laufen. Die Geschirre und Halsbänder sind in einem schlechten Zustand, schmutzig und alt. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, ich war noch nicht dort, aber in Frankreich, wo ich jetzt lebe, sehe ich ein solches Bild. In der Ukraine gibt es auch eine riesige Auswahl an Kosmetika für Hunde. Es gibt etwa 50 verschiedene Shampoos und Conditioner, Masken, Schäume, Sprays und Parfums. Aus allen Teilen der Welt. In Frankreich ist die Auswahl sehr gering. In der Ukraine gibt es Tierhandlungen auf Schritt und Tritt, in jedem Supermarkt, in jedem Bezirk. Es gibt die Nachfrage. Das ist hier in Frankreich nicht der Fall. Ich wohne in einer Stadt, in der es 2 Tierhandlungen für mehrere Städte gibt.

Wie leben Hunde also in der Ukraine? Manchmal besser als Menschen. Um ein paar Beispiele zu geben: In der Ukraine bzw. in Kiew ist der Durchschnittslohn umgerechnet 620 Euro. Trotzdem kaufen Menschen für ihre Tiere hochwertige Produkte. Ein Hundebett für 750–800 Euro, ein Katzenklo für 650 Euro, einen Pelzmantel für einen Hund für 10500 Euro. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung als Verkäuferin sagen. Natürlich sind schon 100 Euro für manche zu viel, aber sie wollen etwas für ihre Tiere kaufen. Vor kurzem hatten wir eine Rentnerin, die einen Teil ihrer Rente sparte, um ihrem Hund einen Mantel zu kaufen. Auf der anderen Seite ist es in der Ukraine auch günstiger, einen Hund zu halten, als in Europa. Eine Beratung durch einen Tierarzt kostet nur zwischen 10 und 30 Euro.

Welche Hunde sind in der Ukraine besonders populär?

Ich habe festgestellt, dass es so etwas wie eine „Mode für Hunderassen“ gibt. Die steht in direktem Zusammenhang mit Filmen. Dalmatiner wurden nach „101 Dalmatiner“ populär, Bernhardiner nach „Beethoven“, Jack-Russells nach „Die Maske“ usw. Leider gibt es Menschen, die sich Hunde aufgrund ihres Aussehens und eines Bildes aus einem Film aussuchen. Sie glauben nicht, dass Jack Russells zu aktiv und Bernhardiner zu groß sind. Ich wünschte, die Leute würden zuerst alles über die Rasse recherchieren und sich dann einen Hund zulegen, oder darauf verzichten. Die beliebtesten Hunde in der Ukraine sind Labrador, Französische Bulldogge, Mops, Spitz, Corgi, Jack-Russell, Yorkshire Terrier, Husky, Akita, Weimaraner, Staffordshire Terrier, Pitbull Terrier, Chihuahua, Toy Terrier, Toy Pudel, Malteser Bologna, Beagle. Yorkshire-Terrier waren sehr im Trend, sind mittlerweile aber durch den Maltipoo ersetzt wurden. Ein Maltipoo-Welpe kostet $5000, aber heute ist er der beliebteste Hund.

Dürfen Hunde in der Ukraine in Parks frei herumlaufen (wie in München), oder gibt es spezielle Hundeauslaufzonen (wie in Hamburg)?

In der Ukraine können Hunde überall laufen. Es gibt keine Regeln und Einschränkungen. Absolut alle Parks sind für Hundespaziergänge geöffnet. Viele Orte sind haustierfreundlich, man kann mit Hunden Kaffee trinken gehen und Hunde problemlos in der U-Bahn, im Taxi, in jedem Verkehrsmittel mitnehmen. Wir haben viele Parks und zu bestimmten Zeiten versammeln sich die Hundebesitzer:innen aus der ganzen Gegend, um mit 30 Hunden einen lustigen Treff zu veranstalten. Es wurde einmal versucht, ausgewiesene Bereiche zum Spazierengehen einzurichten, aber niemand ist dorthin gegangen, also wurden sie wieder entfernt.

Die Bombardierung Deines Zuhauses muss ein unvorstellbarer Schock gewesen sein. Wo hast Du Zuflucht gefunden? Dürfen Menschen ihre Tiere in Schutzräume und Bunker mitnehmen?

Es war furchtbar. Ich hatte so etwas in meinem Leben noch nie erlebt und dachte auch nicht, dass ich es jemals erleben würde. Nicht im 21. Jahrhundert! Aber leider erwiesen sich unsere Nachbarn als verrückter, als wir ahnen konnten. Wenn einem in einem einzigen Augenblick alles genommen wird, ist es unmöglich, das in Worte zu fassen. Du bist allein mit dem Tod und dem Schrecken, mit der Trauer und dem Schmerz. Es ist schwer, dies in Worte zu fassen, aber jeder kann sich vorstellen, wie es ist, ohne Heimat, ohne Arbeit, ohne Frieden zu sein. Und zu wissen, dass seine Landsleute gerade irgendwo sterben und sich vor Schmerzen winden. Was die Russen in der Ukraine anstellen, ist eine Gräueltat. Wir hatten einmal ein wunderbares kleines Land, und jetzt ist ein Teil der Städte wie vom Erdboden verschluckt.


Wir mussten schnell handeln. Mein Hund hat große Angst vor Explosionen. Am Ende mussten ich, meine Eltern, meine 84 Jahre alte Großmutter, mein Hund und mein Vogel (ein Rabe) unser Haus verlassen und fliehen. Es war eine lange Fahrt, wir haben im Auto geschlafen. Und alles war wie ein Alptraum. Die Situation mit den Tieren während der Bombenangriffe war schrecklich. In den Luftschutzkellern war kein Platz mehr frei. Es gab keine Luft mehr zum Atmen. Nur ruhige Hunde und Tiere in Transportbehältern durften mitgenommen werden. Menschen haben versucht, mit Tieren in die Züge zu kommen, aber das war ein großes Problem. Viele Menschen haben ihre Tiere zurücklassen. Unvorstellbar, aber man muss sich in ihre Lage versetzen.

In Kiew gab es viele Tiere in der Metro. Tiere sind dort erlaubt, weil in in den Stationen viel Platz ist.
Die Russen verschonen weder Menschen noch Tiere. Alles, was man über Bucha, Irpin, Mariupol und Izium hört, handelt meist von Menschen, aber damit es klar ist: die meisten Hunde werden getötet, aus nächster Nähe erschossen. Und das lasse ich unkommentiert, denn es gibt keine Worte für diese Grausamkeit.

Wo lebst Du jetzt? Wie geht es Dir und Deinen Tieren?

Unsere Reise war sehr lang. Wir waren in Rumänien, in Ungarn, in Österreich. Wir haben einen Monat lang in Zürich gelebt und wohnen jetzt an der französisch-schweizerischen Grenze, in der Nähe von Genf. Die ersten Wochen waren ein Zustand der Hoffnung und der Erwartung. Einige Monate lang haben wir unsere Koffer nicht ausgepackt, weil wir darauf warteten, dass morgen alles vorbei sein würde und wir nach Hause zurückkehren können. Es gab die Hoffnung, dass sich die Russen gegen den Krieg erheben würden, aber diese Hoffnung ist verschwunden. Wir haben verstanden, dass auch der Tod Putins den Krieg nicht beenden wird. Wir sagen: „Der Fisch verrottet vom Kopf her“, aber Russland ist völlig verrottet. Es ist zu spät, auf gesunden Menschenverstand zu hoffen. Russland ist von der Propaganda zombifiziert. Wir haben auf Sanktionen gehofft, aber nur Moskau und St. Petersburg haben die Sanktionen zu spüren bekommen.

Was ist als nächstes zu erwarten? Wir sind ein zu kleines Land, um dieses Ungeheuer allein zu besiegen, und sei es nur zahlenmäßig. Im Moment haben wir den Glauben und die Hoffnung, dass wir nach Hause zurückkehren werden. Wann? Vielleicht sechs Monate, vielleicht noch ein Jahr. Wir sind hier Fremde, von unserer Sprache bis zu unserer Weltanschauung. Wir haben uns angepasst, aber wir sind nicht daran gewöhnt. Unser Leben ist eine Nachricht. 24/7 lesen, hören und sehen wir, was in der Ukraine passiert. Ich weiß, dass wir gewinnen werden, denn das Gute triumphiert immer über das Böse. Meine Geschäfte wurden im April eröffnet. Die Menschen müssen Geld verdienen. Und Hunde brauchen Futter und andere Güter. Es gab Probleme mit den Lieferungen, aber jetzt wird es besser. Ich arbeite online und bin immer in Kontakt mit meinen Kollegen. Meine Arbeit ermöglicht es mir, der beängstigenden Realität zu entfliehen.

Was bedeutet der Krieg für das Leben von Hunden in der Ukraine? Gibt es genug Hundefutter und Zugang zu tiermedizinischer Versorgung? Gibt es eine Infrarstruktur für Tiere, die zurückgelassen werden mussten? 

Zu Beginn des Krieges gab es ein großes Problem mit Futtermitteln. Die Menschen suchten, wo immer sie konnten. Es war auch unmöglich, sich aus Europa beliefern zu lassen, da nichts funktionierte. Nachdem Kiew nicht mehr bombardiert wurde, machten sich meine Kollegen an die Arbeit und öffneten den Laden für ein paar Stunden, damit die Menschen Futter kaufen konnten. Jetzt gibt es dieses Problem nicht mehr. Fast alle Tierhandlungen und Tierkliniken in Kiew sind geöffnet. Viele Menschen sind in die Westukraine gezogen und bestellen Waren online. In den Städten, die unter russischer Besatzung standen, gibt es fast keine Tiere mehr. Sie werden entweder getötet oder verhungern. Sehr viele Tiere wurden von unserem Militär gerettet. Sie haben ausgesetzte Katzen und Hunde, sogar Papageien und Kaninchen mitgenommen. Jetzt dienen diese Tiere in der Armee, und nach dem Krieg wird das Militär sie für sich beanspruchen. Tiere, die auf Bahnhöfen ausgesetzt wurden, wurden in Tierheimen untergebracht. Es ist möglich, dass sie bei ihrer Rückkehr von ihren Besitzern gefunden und zurückgenommen werden. Und wenn nicht, werden andere Menschen sie nehmen.


Der Krieg ist eine Tragödie für Menschen und Tiere gleichermaßen. Alle Tiere haben gelitten. Diejenigen, die im Stich gelassen wurden, haben gelitten. Diejenigen, die bei ihren Besitzern blieben, litten unter Angst. Diejenigen, die mitgenommen wurden, wie mein Arpheus, haben Heimweh. Die lange, anstrengende Reise hat auch das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen. Die Eingewöhnung an einen neuen Ort, an neue Gerüche, ist für den Hund ohnehin stressig.


Ich möchte mit einer guten Nachricht schließen. Selbst im Krieg kann man etwas Positives finden. In diesen langen 7 Monaten habe ich gemerkt, wie sehr ich mein Zuhause und meinen Job liebe. Wie wichtig es ist, seine Familie und Tiere um sich zu haben. Meine Tiere haben mir geholfen, mich über Wasser zu halten, nicht zu verzweifeln und nicht depressiv zu werden. Manchmal muss man einen Krieg durchmachen, um zu erkennen, wie wichtig Tiere für einen sind und wie glücklich man sich schätzen kann, sie zu haben.

Die DHL bietet an, kostenlos Hilfspakete in die Ukraine zu verschicken. Auch Hundefutter wird benötigt. Genaue Informationen gibt es auf der Website der DHL.