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Mehr Gemüse im Napf: Warum weniger Fleisch gesund für Hunde und gut für die Umwelt ist | von Vera Krammer

Hundeernährung ist ein hoch komplexes Thema. Vor allem, wenn man neben der Gesundheit des eigenen Hundes auch ökologische und tierethische Aspekte berücksichtigen möchte. Die Serie „Grundwissen Hunde-Ernährung“ möchte wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Ernährung von Hunden vermitteln. Expertin für Hundeernährung Vera Krammer gibt einen Überblick über die Bausteine einer bedarfsgerechten Fütterung und praktische Tipps für nachhaltiges #glückimnapf .
Inhalt

Grundwissen Hunde-Ernährung Teil I
Hundefutter und Nachhaltigkeit

Mit der Serie „Grundwissen Hunde-Ernährung“ möchte LILA MAG wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Ernährung von Hunden zugänglich machen. Da LILA LOVES IT sich sowohl der Gesundheit von Hunden als auch dem Wohlergehen unserer Welt mit all ihren Lebewesen verschrieben hat, widmet sich Teil I der Serie dem Thema „Hundefutter und Nachhaltigkeit“. Zusätzlich zu einem Überblick über die wichtigsten Bausteine einer bedarfsgerechten Ernährung für Hunde geht es also auch um die Auswirkungen der Hundefutter-Produktion auf unsere Umwelt – und praktische Ideen, wie wir unsere Hunde so nachhaltig wie möglich füttern können.

Die unabhängige Expertin für Hundeernährung Vera Krammer hat den Artikel exklusiv für das LILA MAG geschrieben. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin arbeitet seit über 12 Jahren in der tiermedizinischen Ernährungsberatung. Mit ihrer Beratung Canutri verfolgt Vera Kammer das Ziel, jedes Futter auf dem Markt neutral bewerten zu können und noch mehr Tieren mit einer individuellen Ernährung zu helfen – wissenschaftlich fundiert, verständlich erklärt. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem die Rationsberechnung für Welpen und für Hunde mit Erkrankungen.

Ideen für eine nachhaltige Hundeernährung

Wenn man über die Ernährung von Hunden spricht, erlebt man viele verschiedene Meinungen und Ansichten, aber auch viele Mythen und Unsicherheiten. Hundeernährung ist ein hoch komplexes Thema. Vor allem, wenn man neben Gesundheit und Wohlergehen des eigenen Hundes auch ökologische und tierethische Aspekte berücksichtigen möchte. Insbesondere das Thema vegetarische oder vegane Ernährung des Hundes sorgt immer wieder für Gesprächsstoff: „Geht das überhaupt oder schadet das dem Hund?“ „Hunde stammen vom Wolf ab. Sie sind Fleischfresser!“ „Bin ich direkt radikal oder dogmatisch, wenn ich mir über die Umweltauswirkungen der Ernährung meines Hundes Gedanken mache?“

Bevor ich mich spezifisch dem Hund und seinen Bedürfnissen widme, möchte ich auf ein paar allgemeine Aspekte eingehen, die sowohl für die Hundeernährung als auch die Ernährung des Menschen relevant sind. Zunächst hat die Ernährung bei Hund und Mensch einen Zweck: Energie und Nährstoffe zuzuführen, die der Körper nur begrenzt oder gar nicht selbst herstellen kann, damit im Körper lebenswichtige Prozesse ablaufen können. Aber Ernährung ist so viel mehr als die reine Nahrungsaufnahme. Sie ist gleichzeitig Teil der Kultur und Genuss, zudem sind Regeln über die rechte Ernährung sind oftmals politisch oder religiös orientiert. 

In der deutschen Küche beispielsweise ist Fleisch traditionell fest verankert. Doch seit einigen Jahren reduzieren immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum und eine vegane Lebensweise findet immer mehr Anhänger. Dafür gibt es viele Gründe, auf zwei mögliche Motive werde ich im Folgenden genauer eingehen:

  • ethische Gründe
  • Auswirkungen auf die Umwelt 

Tierethik und Umweltschutz: Beweggründe für pflanzenbasierte Nahrung

Ethik: Für viele Vegetarier ist ein Beweggrund, dass sie Tierleid reduzieren möchten. Denn egal ob man ein Tier schlachtet und zu Fleisch verarbeitet oder es für seine Produkte wie Milch oder Eier hält – man greift immer in das Leben des Tieres ein und dies vorwiegend nicht positiv. Das Bild einer glücklichen Kuh auf der Weide ist zwar ein Bild, das uns durch Marketing gerne suggeriert wird, das aber leider oftmals nicht der Realität entspricht. So ist es zugegebenermaßen sehr einfach, im Supermarkt eine Packung Hackfleisch zu kaufen. Würden wir unsere Tiere zum Verzehr alle selbst töten und zerlegen, wäre der Fleischkonsum vermutlich geringer und generell würden mehr Menschen gar kein Fleisch mehr essen. Da ich viele Jahre als Tiermedizinische Fachangestellte gearbeitet habe, kann ich Ihnen sagen, dass viele Studierende der Tiermedizin nach dem obligatorischen Schlachthofpraktikum kein Fleisch mehr essen können.

Umwelt: Die negativen Auswirkungen der Tierhaltung auf die Natur sind vielfältig, vor allem aufgrund der hohen Nachfrage und einen stetigen Preiskampf: Wasserverbrauch, Anbau von Futterpflanzen in Monokulturen, Pestizideinsatz, die Abholzung von Wald oder auch der Transport sind große Belastungen. Selbst wenn man hier tierethische Gesichtspunkte außer Acht lässt, ist die Menge unseres Konsums ein immenser Faktor. Viele Probleme in Bezug auf die Umwelt entstehen nämlich nicht durch die Tatsache, dass wir tierische Produkte konsumieren, sondern durch die Masse. Um der Nachfrage gerecht zu werden, werden riesige Flächen für den Anbau von Nutztierfutter benötigt. Doch nicht nur das: Damit diese Monokulturen effizient sein können, ist der Einsatz von Pestiziden unerlässlich. Der Bedarf an Anbauflächen für Tierfutter führt oftmals zu illegalen und klimaschädigenden Handlungen wie der Vernichtung des Regenwaldes. Unser Konsumverhalten allein kann die Welt nicht verändern, aber es hat einen Einfluss. Fragen, die wir uns stellen können, sind: 

  • Möchte ich gerne Lamm aus Neuseeland essen? Es hat vielleicht ein naturnahes Leben gehabt, aber das Fleisch wird sehr weit transportiert.
  • Ist es mir wichtig, dass mein Fleisch 0,99 € pro Kilogramm kostet, oder kann ich es mir leisten, Fleisch von Tieren aus einer besseren Haltung zu kaufen?
  • Muss ich wirklich jeden Tag Fleisch und zu jeder Mahlzeit Fleisch essen?

Glossar: Was bedeutet eigentlich vegan, vegetarisch, pflanzenbasiert?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff „vegetarisch“ eine Ernährung bezeichnet, die auf Fleisch und Fisch verzichtet, aber Milchprodukte, Eier und Honig einbezieht. Streng genommen ist das so nicht ganz korrekt. Denn Vegetarismus ein Überbegriff für folgende Ernährungsformen:

In der veganen Lebensweise (Veganismus) wird nicht nur auf tierische Produkte in der Nahrung, sondern auch in anderen Bereichen wie Kleidung, Kosmetika oder Wohnen verzichtet. In den letzten Jahren hat sich besonders auch in Fachkreisen der Begriff „pflanzenbasiert“ etabliert. Hiermit wird eine Ernährungsform bezeichnet, die gewisse Lebensmittelgruppen wie tierische Produkte nicht komplett ausschließt, aber einen Schwerpunkt auf pflanzliche Produkte legt. 

Hundeernährung im Detail: Nährstoffe und ihre Bedeutung 

Auch wenn Verfechter verschiedener Ernährungsformen gerne Anderes behaupten: jede hat Vor- und Nachteile. Man kann nicht pauschal behaupten, dass eine fleischbetonte Ernährung immer gut für Hunde und eine pflanzenbasierte Ernährung immer schlecht sei, oder umgekehrt. Im Wesentlichen kommt es auf die spezifische Umsetzung und Nährstoffversorgung an. Gleiches gilt auch für die Fütterungsarten selbst, also zum Beispiel Fertigfutter, selbstzubereitete Rationen, Kochen oder BARF. Ernährung ist vor allem eines nicht: schwarz oder weiß. Nach 16 Jahren in der tierärztlichen Praxis habe ich viele Hunde mit gesundheitlichen Beschwerden durch eine schlechte Ernährung kennengelernt – unabhängig von Ernährungsform oder Futterart. Wenn man sich aber für eine Ernährungsform entscheidet, sollte man potenzielle Stolpersteine und Risiken kennen, sich nicht zu sehr von den Meinungen anderer Leute verrückt machen lassen und im Zweifelsfall wirkliche Experten zu Rate ziehen. Der folgende Überblick möchte ein erstes Basis-Wissen über die Bedeutung von Nähstoffen in der Hundeernährung vermitteln.

Proteine bzw. Aminosäuren

Proteine (auch Eiweiß genannt) bestehen aus kleinen Bausteinen, den Aminosäuren. Einige Aminosäuren sind essenziell. Das bedeutet, dass der Körper sie nicht – oder nicht in den notwendigen Mengen – selbst herstellen kann. Sie müssen deshalb über die Nahrung aufgenommen werden. Neben Aminosäuren liefern Proteine auch Energie. Proteinreiche Lebensmittel sind vor allem Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier, aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen oder Soja. Getreide enthält auch Protein, allerdings in geringen Mengen. Tierische Produkte enthalten meist alle essenziellen Aminosäuren in relevanten Mengen, pflanzliche Lebensmittel dagegen oft nicht. Allerdings kann man durch eine gezielte Kombination verschiedener Pflanzenprodukte auch alle notwendigen Aminosäuren zuführen. Soja bildet als pflanzliche Proteinquelle eine Ausnahme, da es einen hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren hat. 

Bei einer rein pflanzlichen Ernährung des Hundes können einige Aminosäuren (Methionin, Tryptophan und Threonin und Produkte aus Aminosäuren wie Taurin oder Carnitin) mangelversorgt werden, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann. Anders als bei einer fleischbetonten Ernährung reicht es nicht, nur auf die Deckung des Proteinbedarfs zu achten. Soll ein Hund pflanzenbasiert ernährt werden, muss die Versorgung jeder einzelnen essenziellen Aminosäure überprüft und sichergestellt werden. Wenn man einen Teil des Fleisches einer Ration gegen andere Proteinquellen tauschen möchte, ist dies je nach Menge problemlos möglich.

Fazit: Pflanzliche Proteinquellen können durch korrekte Kombination auch gute Aminosäure-Lieferanten sein. Bei einer rein pflanzlichen Ernährung sollten besonders kritische Aminosäuren ergänzt und ein Experte zu Rate gezogen werden.

Fett bzw. Fettsäuren

Fett ist Lieferant für Energie und essenzielle Fettsäuren. Fettsäuren sind ein riesiges, faszinierendes Thema (obgleich man im Studium der Ernährungswissenschaften durchaus an dem korrekten Zeichnen der chemischen Formeln und der komplexen Benennung verzweifeln möchte). Ihre Eigenschaften und Funktionen zu begreifen ist absolut notwendig.

Man kann Fettsäuren anhand vieler Eigenschaften einteilen. Die Unterscheidung, die man in Bezug auf die Ernährung am häufigsten hört, ist die zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren sowie den unterschiedlichen Omega-Fettsäuren. Bei diesen handelt es sich um eine Unterart der ungesättigten Fettsäuren und es wird zwischen Omega-3-, Omega-6- und Omega-9-Fettsäuren unterschieden. Ganz allgemein gesagt beziehen sich die Angabe „Omega“ plus Zahl auf die Stelle, wo die Fettsäure ungesättigt ist. 

Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure ist für den Hund essenziell und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden. Egal bei welcher Ernährungsform kann dies beispielsweise über Sonnenblumen-, Distel-, Weizenkeim- oder Hanföl geschehen.

Bei den Omega-3-Fettsäuren gibt es je nach Ernährungsform wichtige Unterschiede: Die alpha-Linolensäure, die beispielsweise in Lein- oder Chiasamen vorkommt, wird im Körper in die ebenfalls essenziellen Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) umgewandelt. Allerdings ist diese Umwandlung von einigen Faktoren abhängig und noch dazu sehr ineffizient. Damit es zu keinem Mangel an EPA und DHA kommt, sollte man diese bei selbst zusammengestellten Rationen direkt zuführen. Das heißt nicht, dass Leinöl nicht im Einzelfall eine tolle Ergänzung im Futterplan sein kann. Aber eine bedarfsgerechte Versorgung mit EPA und DHA ist über Leinöl nicht möglich. Klassische Lieferanten für EPA und DHA sind Fischöle von fetten Seefischen wie Lachs. Auch Krillöl kann bei Hunden, die Lachsöl nicht vertragen, verwendet werden. ACHTUNG: Lebertran enthält zwar auch EPA und DHA, aber zusätzlich Vitamin D und A in großen Mengen. Lebertran und Fischöl dürfen nicht verwechselt werden, da es ansonsten zu Überversorgungen kommen kann. Eine vegane Alternative ist Algenöl der Alge Schizochytrium sp., dieses steht den Fischölen in nichts nach.

Fazit: Alle notwendigen Fettsäuren können über pflanzliche Quellen gut abgedeckt werden.

Kritische Nährstoffe

Eine pflanzliche Ernährung bringt ein paar kritische Nährstoffe mit sich. Beim Hund sind dies vor allem Calcium, Zink, Iod und Vitamin A, D3, B12. Entweder sind diese Nährstoffe im Vergleich zu einer Ration mit Fleisch in kleineren Mengen enthalten, oder sie unterscheiden sich chemisch, sodass sie nicht ganz so gut aufgenommen werden können. 

Fazit: Wenn man seinen Hund rein pflanzlich ernähren möchte, sollte man eine entsprechend abgestimmte Ergänzung wählen. Bei pflanzlichen Komponenten als Teil einer Mischration sind diese Nährstoffe meist weniger kritisch, solange das Basisfutter eine gute Qualität hat.

Führt eine vegetarische oder vegane Ernährung zwangsweise zu einer Mangelernährung von Hunden?

Jein. Bei Hunden mit einem erhöhten Nährstoffbedarf im Falle von Wachstum, Sporthunden, Trächtigkeit/Säugephase oder im Falle von Krankheiten kann eine vegetarische oder vegane Ernährung nicht empfohlen werden.

Bei gesunden, ausgewachsenen Hunden ist eine pflanzenbasierte Fütterung möglich, aber hier ist eine Ernährungsberatung angeraten, besonders wenn man seinen Hund vegan ernähren möchte. Denn im Falle einer Mangelversorgung kann es beispielsweise zu Herzerkrankungen kommen. Einen Teil des Fleisches einer Ration gegen andere tierische Produkte oder pflanzliche Komponenten zu tauschen, ist deutlich unproblematischer.

Allerdings kann auch ein auf Fleisch basierendes Fertigfutter oder eine selbstzubereitete Ration mit Fleisch zu Fehlversorgungen führen. 

Wie kann man die Auswirkungen der Hundefutter-Produktion auf die Umwelt minimieren?

Futtermenge hinterfragen

Das erscheint trivial, ist es aber nicht: Viele Hunde sind zu dick, weil sie zu viel Futter bekommen. Als Hundehalter sehen wir unseren Hund jeden Tag, da ist es verständlich, dass uns Veränderungen in diese Richtung nicht so auffallen. Es ist deswegen sinnvoll, das Gewicht tierärztlich überprüfen zu lassen (zum Beispiel beim regelmäßigen Impftermin) oder sich mit dem sogenannten BCS (Body Condition Score) zu befassen. Wenn der Hund abnehmen muss, ist eine starke Reduktion der Futtermenge nicht sinnvoll, da man den Hund so in eine Mangelversorgung bringen kann. Es gibt aber spezielle Abnehmfutter, die gut sättigen, obwohl sie kalorienarm sind, und vor allem die notwendigen Nährstoffe in der richtigen Menge enthalten. Hat der Hund sein Idealgewicht erreicht, kann er wieder sein reguläres Futter fressen, aber eben eine angemessene Menge. Anhaltspunkt hierfür sind zum Beispiel die Angaben des Herstellers auf der Verpackung des Futters. 

Haltung und Tierart an sich

Ein wichtiger Faktor beim Thema Tierwohl ist die Haltung. Hier kann man überlegen, was einem persönlich wichtig ist und dies bei der Futterauswahl beachten. Jede Tierart bringt außerdem Besonderheiten bei der Haltung und Auswirkung auf unsere Umwelt mit sich. Der Wasserverbrauch für verschiedene Fleischsorten ist sehr unterschiedlich. So braucht ein Kilogramm Rindfleisch in der Produktion im Schnitt über 15.000 Liter Wasser, wohingegen Schweinefleisch und Geflügel 4000 und 4730 Liter benötigen. Im Vergleich dazu sind die Wassermengen für die Produktion anderer Lebensmittel ziemlich gering. Reis: 3470 Liter, Eier: 3300 Liter, Soja: 2050 Liter, Weizen: 1410 Liter, Milch: 600 Liter 

Fleischanteil

Oft sind Hundehalter verunsichert, wieviel Fleisch und Innereien ihr Hund wirklich braucht. Zudem ist es oft schwierig, zwischen Meinungen und tatsächlichen Fakten zu unterscheiden. Viele Firmen werben mit einem hohen Fleischanteil als Merkmal für eine hohe Futterqualität. In der Praxis ist es aber so, dass viele Hunde auf einen hohen Anteil von Fleisch und Innereien in ihrem Futter mit Problemen reagieren: Magenprobleme wie Übersäuerung, Aufstoßen, Erbrechen oder Gras fressen können die Folge von zu viel Fleisch sein. Auch kann es zu Darmproblemen kommen, weil sich etwa das Mikrobiom verändert, was mit Durchfall, Blähungen oder anderen Problemen einhergehen kann.


In der Praxis ist es so, dass viele Hunde auf einen hohen Anteil von Fleisch und Innereien in ihrem Futter mit Problemen reagieren.


Auch wichtig: die Unterscheidung von Muskelfleisch und Innereien. In der Deklaration werden diese Begriffe oft durcheinandergeworfen. Eigentlich bezeichnet der Begriff „Fleisch“ nur Muskelfleisch und keine Innereien. Muskelfleisch ist leicht verdaulich und hat einen geringen Anteil an Bindegewebe. Innereien hingegen unterscheiden sich je nach Sorte stark in ihrer Verdaulichkeit und können in zu großen Mengen zu Beschwerden führen. So ist Herz beispielsweise eigentlich eine Innerei, aber als Muskel sehr gut verdaulich. Mägen, Leber oder Lunge sind schwerer verdaulich, können aber auch Teil einer guten Ernährung sein. Die Verträglichkeit von Innereien kann von Hund zu Hund ganz unterschiedlich sein. Ein guter Richtwert sind 10–30% Innereien innerhalb des gesamten „Fleisch“-Anteils. Mehr als 30% Innereien kann zu Verdauungsbeschwerden führen. Leber nimmt eine Sonderrolle ein, da sie nähstoffreicher als andere Innereien ist und viel Vitamin A enthält. Bei gesunden Tieren ist eine Zufuhr von ca. 0,5g/kg pro Tag meist in Ordnung.

Bei selbstzubereiteten Rationen (Kochen, Barfen, Rationen mit Reinfleischdosen) ist dies deutlich einfacher umzusetzen als bei Fertigfutter, da oft die Deklaration nicht ganz so eindeutig ist. Allerdings kann man sagen, dass Futtermittel, bei denen die Fleischanteile nicht genau deklariert werden, tendenziell eher einen höheren Anteil an Innereien haben.

Kohlenhydrate 

Kohlenhydrate haben in der Hundeernährung einen schlechten Ruf. Was viele nicht wissen: Der Oberbegriff Kohlenhydrate bezeichnet eine große Stoffgruppe mit vielen verschiedenen Eigenschaften. Manche Kohlenhydrate sind zum Beispiel unter anderen Namen bekannt, welche wiederum positiv besetzt sind – beispielsweise Präbiotika. Stärke gehört ebenfalls zu den Kohlenhydraten, sie steckt etwa in Getreide, Pseudogetreide und Kartoffeln oder Süßkartoffeln. Im Gegensatz zu Fett und Protein benötigen Hunde nicht unbedingt Stärke in ihrem Futter. Dennoch: Es kann viele Vorteile bieten, die Ernährung von Hunden durch gesunde Kohlenhydrate zu vervollständigen. Stärke ist ein Energielieferant, kann empfindlichen Hunden bei einer Magenübersäuerung helfen und ist zudem sehr gut geeignet, um den Fleischanteil der Ration bei Bedarf zu senken. Das ist nicht nur positiv im Sinne von Tierethik und Umweltschutz, sondern auch bei verschiedenen Erkrankungen hilfreich.


Es kann viele Vorteile bieten, die Ernährung von Hunden durch gesunde Kohlenhydrate zu vervollständigen.


Anders ist es mit Zucker. Zucker gehört zu den Kohlenhydraten, aber nicht jedes Kohlenhydrat ist Zucker. Ein sehr wichtiger Unterschied! Den Sinn von Zucker in der Hundeernährung kann man auf jeden Fall hinterfragen: Hunde schmecken ihn zwar im Gegensatz zu Katzen, aber er bietet den Hunden selbst keinen Vorteil – und kann im Gegenteil sehr schädlich sein (Stichwort: Karies, Übergewicht).

Ballaststoffe sind ebenfalls meist Kohlenhydrate und zwar solche, die nicht im klassischen Sinne verdaut werden können. Sie werden zum Teil im Dickdarm von dort ansässigen Bakterien weiterverarbeitet oder unverdaut ausgeschieden und haben dadurch einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom im Darm und die Kotkonsistenz. Bei Leber- oder Nierenerkrankungen können spezielle Ballaststoffe neben einer Ernährungsanpassung unterstützend wirken.

Hülsenfrüchte

Linsen, Bohnen oder Soja und dessen Produkte (z.B. Tofu) können Teil der Hundeernährung sein. So enthalten Hülsenfrüchte Proteine und können daher einen Teil des Fleischs in der Ration ersetzen, wenn der Hund dies gut verträgt. Hülsenfrüchte kommen allerdings mit einigen Besonderheiten daher, an die sich Hundehalter und Hund erst gewöhnen muss. Der Spruch „Jedes Böhnchen ein Tönchen“ kommt nicht von ungefähr. Soll Fleisch durch Hülsenfrüchte ersetzt werden, sind folgende Dinge zu bedenken:

  • Gewöhnung: man sollte langsam starten, damit der Hund keine quälenden Blähungen bekommt
  • Zubereitung: Einweichen, Kochen (oder Produkte aus der Konserve), gut abwaschen (vor dem Kochen und auch die Konserven), Pürieren, Fermentation und die Kombination mit Kümmel erhöhen die Verträglichkeit 
  • Individuelle Verträglichkeit: nicht jeder Hund verträgt Hülsenfrüchte – wenn trotz Eingewöhnung und sorgsamer Zubereitung die Verdauung des Hundes verrückt spielt, sollte man akzeptieren, dass Hülsenfrüchte keine Option sind

Milchprodukte und Eier

Neben Fleisch haben auch Eier und Milchprodukte ein gutes Aminosäureprofil. Sie können Fleisch zum Teil ersetzen und ein dauerhafter Bestandteil der Hundeernährung sein. Milchprodukte liefern gut verdauliche Proteine und können eine gute Ergänzung der Futterration sein. Eier sind ebenfalls meist gut verdaulich und liefern ebenfalls hochwertiges Protein. Oftmals begegnet einem die Meinung, dass Milchprodukte nicht für Hunde geeignet sind. Hintergrund für diese Annahme ist der Milchzucker (Laktose). Genau wie wir Menschen braucht der Hund zur Verdauung des Milchzuckers Laktose das Enzym Laktase. Laktase spaltet Milchzucker, damit er im Dünndarm aufgenommen werden kann. Ist die Laktase nicht oder nur zu geringen Mengen vorhanden, gelangt der Milchzucker in den Dickdarm, wo ihn Bakterien verstoffwechseln, die Gase produzieren. Das kann zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall führen – eine klassische Lebensmittelunverträglichkeit. Ebenfalls wie bei uns Menschen ist die Menge an Laktose, die ein Hund verdauen kann, sehr individuell: Manche haben damit kaum Probleme, andere vertragen sie gar nicht oder nur in kleinen Mengen. Dass Hunde garkeine Milchprodukte fressen dürfen, stimmt also nicht. Und: Jeder hat ab einem gewissen Punkt eine Laktoseunverträglichkeit, wenn zu viele Milchprodukte gegessen werden. Auch Eier können in größeren Mengen übelriechende Blähungen verursachen, weil sie schwefelhaltige Aminosäuren enthalten.

Insekten

Seit einigen Jahren begegnen einem immer wieder Insekten als Basis von Hundefutter und Snacks für Menschen. Der Vorteil: Sie lassen sich gut züchten und schonen Ressourcen. Gleichzeitig haben viele Insektenarten ein gutes Aminosäureprofil. Sie brauchen eine etwas andere Verarbeitung, damit sie gut verdaut werden können, und auch von den genauen Inhaltstoffen der einzelnen Arten gibt es noch nicht so viele Daten wie von unseren klassischen Lebensmitteln. In der Praxis habe ich allerdings beobachtet, dass viele Hunde Futtermittel auf Insektenbasis nicht gut vertragen. Das muss nicht unbedingt an den Insekten selbst liegen, da auch Herstellung und die Eigenschaften des Hundes eine Rolle spielen. Oft werden Insekten als letzter Ausweg bei Allergien angesehen und deshalb noch nicht an der breiten Masse getestet. Insekten haben auf jeden Fall Potential und mit einer individuellen Prüfung auf die Proteinqualität und Nährstoffzusammensetzung können Insekten eine gute Alternative zu den klassischen Nutztieren darstellen.

Leckerlis

Bei Hunde-Leckerlis unterscheidet man zwischen zwei Arten: Es gibt Leckerlis aus getrocknetem Fleisch oder Schlachtnebenprodukten (1) und Kekse (2). Im Gegensatz zu Frischfleisch oder Nassfutter sind Leckerlis stark konzentriert, wodurch man sowohl die Nährstoffversorgung als auch die Fleischfütterung ungewollt stark in die Höhe treiben kann: 50g getrocknetes Fleisch entsprechen etwa 150g Frischfleisch. In der Ernährungsberatung hatte ich mal eine Kundin, die ihrem Hund ohne es ahnen durch Leckerli und das normale Futter umgerechnet 1,8kg Fleisch am Tag gefüttert hat. Der Hund wog 15 kg. Zu viele Leckerlis sind aus mehreren Gründen nicht sinnvoll. Vor allem aber kann man durch zu viel Fleisch das Calcium-Phosphor-Verhältnis, das wichtig für die Knochengesundheit ist, gehörig durcheinanderbringen. Es ist daher gut, auf Kekse zurückzugreifen, die neben Fleisch auch andere Zutaten wie Stärkelieferanten oder Milchprodukte enthalten. Auch Leckerlis selbst zu backen kann eine tolle Alternative sein.

Was kann ich machen, wenn ich mir nicht sicher bin, ob mein Hund alle Nährstoffe bekommt?

Kurz gesagt: Eine Rationsberechnung bei einem fachlich qualifizierten Experten (z.B. Tierärzte mit entsprechender Weiterbildung, Ernährungswissenschaftler:innen, Tiermedizinische Fachangestellte mit Fachqualifikation). Eine Blutuntersuchung ist zwar ein wichtiges Mittel zur Überprüfung der Hundegesundheit, allerdings lassen sich die meisten Nährstoffversorgungen nicht im Blut (z.B. bei „Barf-Profilen“) beurteilen. Das liegt daran, dass viele Nährstoffe zwar im Blut vorhanden sind, ihr Hauptspeicher aber woanders ist, und daran, dass der Körper gewisse Nährstoffe im Blut konstant halten möchte und nur im Ernstfall hier Abweichungen zeigt. Das bedeutet, dass auch Nährstoffe, die im „Barf-Profil“ im Normalbereich liegen, in Wirklichkeit fehlversorgt sein können.

Ein anschauliches Beispiel ist Calcium. Calcium wird vor allem in den Knochen gespeichert, der Calciumspiegel im Blut wird konstant gehalten. Bei einer Überversorgung wird das Calcium über den Urin ausgeschieden, was Harnsteine begünstigen kann. Bei einer Mangelversorgung wird das Calcium aus den Knochen gezogen, um den Blutcalciumspiegel konstant zu halten. Veterinärmedizinische Studien dokumentieren, dass ein Calciummangel gehäuft als Folge von selbstgekochten Rationen ohne angemessene Mineralstoffzusätze beobachtet werden kann. Wird ein Hund lange Zeit mit Calcium unterversorgt, führt dies zu einer Entmineralisierung des Skeletts und entsprechenden Schäden. Seriöse Labore, die sogenannte „Barf-Profile“ anbieten, weisen deshalb auf die Grenzen einer Blutuntersuchung hin, und empfehlen zur genauen Überprüfung die Rationsberechnung. 

Konkret: Wieviel von Was? 

Die Ernährung von Hunden ist eine hoch komplexe Angelegenheit. Es ist kaum möglich, generische Empfehlungen zu geben, die für alle Hunde immer passend sind. Was die Frage nach den Möglichkeiten einer nachhaltigen Ernährung betrifft, lässt sich zusammenfassend festhalten, dass es lohnend ist, sich mit der Herkunft und ernährungsphysiologischen Bedeutung der einzelnen Zutaten von Hundefutter zu beschäftigen und bei Herstellern nachzufragen. Eine rein vegetarische Fütterung von Hunden ist theoretisch möglich, in der praktischen Umsetzung aber durchaus eine Herausforderung in Bezug auf die bedarfsgerechte Nährstoffversorgung. Die Reduktion des Fleischanteils, die Fütterung von Milchprodukten, Eiern oder auch Hülsenfrüchten ist in der Praxis ein guter Ansatz, um Hundefutter nachhaltiger zu gestalten. Um eine Unter- oder auch Überversorgung mit kritischen Nährstoffen oder auch essenziellen Fettsäuren sicherzustellen, ist eine fachlich fundierte Beratung sinnvoll.