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Giardien beim Hund — Das sollten Sie wissen

Durchfallerkrankungen beim geliebten vierbeinigen Freund sind ein leidiges Thema für viele HundebesitzerInnen. Eine Vielzahl verschiedenster Auslöser, sowie ein breit gefächerter Kanon an Erregern können dafür verantwortlich sein. Einer dieser Erreger ist ein einzelliger Parasit namens Giardie. Ein wenig genauer über diese Art von Durchfallerreger informiert zu sein, kann also sehr hilfreich sein im Umgang mit Ihrem erkrankten Hund.
Inhalt

Giardien – Was ist das denn eigentlich?

Ihr Hund hat Giardiose – Eine hochmedizinische Diagnose, die man beim Tierarzt hört, mit der man aber erstmal als Laie nicht sehr viel anfangen kann. Giardiose ist eine Erkrankung des Darmtraktes, ausgelöst durch einzellige parasitäre Wesen, die Giardien.

Giardia subspecies, beim Hund speziell die Giardia intestinales, besiedeln den Darm, bevorzugt den Dünndarm ihres Hundes und greifen dort signifikant in den Verdauungsprozess ein. Sie nisten sich in die Wände des Darms ein, vermehren sich dort und beeinflussen negativ den Gesundheitszustand des Tieres.

Das Symptombild von Giardien beim Hund

Je nach Allgemeinzustand Ihres felligen Freundes, wie Alter, Vorerkrankungen und Sensibilität bemerken Sie geringen, mittelgradigen oder auch stark auftretenden Durchfall. Der Hundekot stellt sich als „kuhfladenartig“ und in der Regel ohne Blut oder Schleimbeimengung dar.

Ihr Tier ist eventuell schlapp, lustlos, hat wenig Appetit und verliert infolgedessen auch an Gewicht.  Bei manchen Tieren ist der Durchfall selbstlimitierend und regelt sich innerhalb von ein paar Tagen wie von selbst, während es bei anderen Hunden zu wochenlanger oder immer wiederkehrender Symptomatik kommen kann.

Und ganz abstrus wird es, wenn der Hund erkrankt, jedoch gar keine auffälligen Symptome zeigt. Solche Tiere stellen dann ein besonderes Risiko für Artgenossen dar, da sie, obwohl selbst scheinbar gesund, mit jedem Kotabsatz große Mengen an infektiösen Giardienzysten ausscheiden. Diese sind sehr resistent und können bis zu drei Monate in der Umgebung überleben. Besonders gerne mögen sie eine feuchte Umgebung, wie zum Beispiel einen flachen Tümpel oder eine Regenpfütze auf der täglichen Gassirunde.

Ansteckung mit Giardien

Wie bereits erwähnt mögen die widerstandsfähigen Giardien eine feuchte Umgebung. Die von Natur aus neugierigen und geruchssensiblen Hunde stecken ihre felligen Nasen gerne überall hinein und nehmen die Oozysten oral über ihr Maul auf.

Die Zysten werden abgeschluckt und gelangen über den Magen in den Dünndarm, wo sie sich dann vermehren, einerseits den Wirt krank machen und andererseits zu großen Teilen beim Gassigehen auch wieder ausgeschieden werden, um dann dem nächsten, vorbeikommenden Hund auf Spazierrunde aufzulauern und den Kreislauf von neuem zu beginnen. Voila – Giardiose beim Hund verbreitet sich.

Der Tierarztbesuch und die Diagnosestellung

Nehmen wir nun einmal an, Ihr Hund hat seit einigen Tagen vermehrt wässrigen Durchfall und Sie entscheiden sich zum Haustierarzt oder zur Haustierärztin Ihres Vertrauens zu gehen. Grundsätzlich gilt für jeden Tierarztbesuch, ganz unabhängig von den Symptomen Ihres Haustieres, dass es sehr hilfreich ist, wenn sie möglichst genau erzählen können, was, seit wann, wie oft, wo und wie aufgefallen ist.

Auch Routinen und Abweichungen des Alltags, zum Beispiel neue Gassirunde, neuer Hundefreund, Begegnungen in der Hundeschule oder andere Dinge können Ihrem Tierarzt/ihrer Tierärztin helfen, auf die richtige Spur zu kommen und möglichst schnell die richtigen Schritte einzuleiten. Im Falle einer Giardien-Infektion beim Hund wäre also die Erwähnung von wassernahen Spazierrunden, einem anderen Hund mit ähnlichen Symptomen, eine Vorerkrankung oder auch eine bereits bekannte Immunschwäche hilfreich.

Dem Fachmann/ der Fachfrau stehen dann mehrere Wege zur Diagnostik zur Verfügung. Sie alle haben jedoch den Nachweis beweglicher Giardientrophozoiten (= die vegetative Lebensphase adulter Einzeller) als Ziel:

Kotflotation

Die im Kot enthaltenen Einzeller werden mittels einer Anreicherungsflüssigkeit in ein möglichst geringes Flüssigkeitsvolumen konzentriert. Sobald dies zur Zufriedenheit des behandelnden Tierarztes geschehen ist, kann er unter dem Mikroskop die übrig gebliebene Flüssigkeit nach den Trophozoiten absuchen.

ELISA

Was sich hier nach einem modernen Namen für ein Mädchen anhört ist tatsächlich die Abkürzung für den sogenannte Enzyme-linked Immunosorbent Assay oder ganz einfach zu deutsch ein auf dem Nachweis von Antigenen (den Krankheitserregern) basiertes Diagnostikverfahren.

Eine Farbreaktion erbringt hier den Nachweis, dass der Kot des beprobten Tieres Antigene (in unserem Beispiel die Giardien beim Hund) enthält oder eben auch nicht enthält.

Die ELISA-Methode ist im Falle der Giardien-Infektion beim Hund sensibler und auch leichter und schneller durchzuführen als die Kotflotationsdiagnostik, weshalb sie hier als Diagnosemittel der Wahl anzusehen ist.

Grundsätzlich gilt auch

Nur weil einmal ein Test auf Giardien beim Hund negativ ausgefallen ist, muss das nicht heißen, dass der Vierbeiner auch wirklich nicht von einer Giardien-Infektion betroffen ist. Um ganz sicher zu sein, sollte der Test dreimal innerhalb von 7-10 Tagen durchgeführt werden, bevor eine Giardiose ausgeschlossen werden kann.

Es sei gleich vorneweg gesagt, dass es eine 100%ige und immer wirksame Therapie leider (noch) nicht gibt für die Giardien-Infektion beim Hund. Vorstellbar sind jedoch mehrere verschiedene Medikamente je nach Hersteller:

  • Metronidazol
  • Furazolidon
  • Albendazol
  • Fenbendazol


Sollte ihr Hund auf das von Ihrem Haustierarzt oder Ihrer Haustierärztin angewendete Medikament nicht positiv reagieren, kann es also ganz normal sein, dass ein oder sogar mehrere Therapiewechsel von Nöten sind, bevor sich endlich eine Besserung einstellt.

Was ist bei Giardien besonders zu beachten?

Da die Giardien-Infektion beim Hund ein weit verbreitetes und somit auch ein oft vom Tierarzt/von der Tierärztin behandeltes Problem ist, haben die parasitären Einzeller über die Jahre Strategien entwickelt und sind resistenter gegenüber den gängig eingesetzten Medikamenten geworden.

Durch andere Vorerkrankungen oder Immunsuppression geschwächte Hunde sind ebenso ein leichtes Opfer für die Giardien. Nur wenige der äußerst widerstandsfähigen Parasiten sind notwendig für eine Neuinfektion oder erneute Ansteckung mit der Giardiose.

Zusätzlich zur medikamentösen Giardien-Behandlung gibt es während der Genesungszeit noch ein paar andere wichtige Dinge zu beachten.

Da die Zystenausscheidung sehr aktiv ist, ist die Umgebungshygiene immens wichtig. Wenn möglich sollten Flächen mit ca. 60 Grad heißem Wasser gewaschen und desinfiziert werden. Reinfektionsquellen, wie Pfützen und Tümpel müssen gemieden bzw. entfernt werden.

Zusätzlich kann es auch nötig werden, Ihren Hund täglich, unter Umständen sogar mehrmals täglich zu baden, da die Oozysten aus dem Fell entfernt werden müssen.

Die etwaigen Begleiterscheinungen, wie den Gewichtsverlust und die Auswirkungen des Durchfalls sind natürlich noch einmal separat zu therapieren, etwa mit Schonkost (z.B. die Morosche Karottensuppe), Schmerzmitteln und TLC (Tender Loving Care).

Wie kann ich Giardien beim meinem Hund vorbeugen?

Das hört sich ja nun alles ganz schön aufwendig, stressig für Hund und HalterIn und obendrein auch noch teuer an. Wäre es da nicht sinnvoller dafür zu sorgen, dass es möglichst gleich gar nicht zu so einer Infektion kommt?

Das wäre es natürlich und natürlich wäre es auch super, wenn das ganz einfach machbar wäre. Wie auch schon bei der Wahl der Therapie, gibt es auch für die Prävention keinen 100%ig wirksamen Weg. Gute Umgebungs- und Tierhygiene, regelmäßige Kotuntersuchungen, sowie ein wachsames Auge auf das Verhalten und das Allgemeinbefinden Ihres Hundes können Ihnen jedoch eine gute Grundlage zur Vorbeugung bieten.

Eine Impfung gegen Giardien ist denkbar, jedoch in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugelassen.

Sollte Ihr Hund sich trotz aller Vorsicht und Achtsamkeit doch anstecken, so ist die Prognose fast immer mit gut anzusetzen. Zu Bedenken ist dabei nur, dass die Behandlung der Giardien-Infektion beim Hund mitunter schwieriger und länger andauernd sein kann, jedoch in 99% der Fälle ein Happy End findet.

Conclusion

Die Giardien-Infektion beim Hund ist ein spannendes, wichtiges und vor allem auch immer aktuelles Thema. Darüber Bescheid zu wissen kann den Diagnoseprozess entscheidend beeinflussen, die Krankheitsdauer verkürzen und das Verständnis für das Management vereinfachen, sodass Sie und Ihr Hund bald wieder gemeinsam ihr bestes Leben leben können. Schließlich sind die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer vierbeinigen Gefährten immer unsere oberste Priorität.

Tierärztin Lena Breitenfellner

Tierärztin Lena Breitenfellner

Lena Breitenfellner studierte von 2008-2014 Tiermedizin an der LMU München. Nach mehrjährigen Erfahrungen in verschiedenen Tierarztpraxen in Deutschland und Österreich arbeitet sie nun als amtliche Tierärztin zur Sicherstellung von Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Nebenbei ist sie als freiberufliche Autorin tätig und geht damit ihrer Leidenschaft für Schreiben und Texten nach.

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Haftungsausschluss:

Die in diesem tiermedizinischen Fachbeitrag enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Sie stellen keine individuellen Behandlungsempfehlungen für ein bestimmtes Tier dar. Es wird dringend empfohlen, jegliche Symptome oder Krankheiten Ihres Tieres immer mit einem qualifizierten Tierarzt zu besprechen und abzuklären.