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Frisst Ihr Hund Gras – normal oder Grund zur Sorge?

Um das Grasfressen bei Hunden ranken sich viele Mythen. Eine alte Bauernregel behauptet sogar: Frisst ein Hund Gras, gibt es bald Regen. Doch was steckt wirklich dahinter, wenn Sie feststellen: Mein Hund frisst Gras? Ist das Verhalten vollkommen normal oder kann es auf Unwohlsein beziehungsweise ein Problem im Magen-Darm-Trakt hinweisen? In diesem Artikel erfahren Sie, warum das „Grasen“ bei Hunden meist harmlos ist, welche Ursachen infrage kommen und bei welchen Begleitsymptomen Sie genauer hinschauen sollten.

Dr. Stefanie Mallmann Dr. Stefanie Mallmann · 7 Min. Lesezeit

Mein Hund frisst Gras: Warum macht er das?

„Mein Hund frisst Gras“ – diese Beobachtung machen viele Hundehalterinnen und Hundehalter beim täglichen Spaziergang. Einige Hunde knabbern nur gelegentlich an einzelnen Halmen, andere fressen plötzlich größere Mengen Gras. Schnell stellt sich die Frage: Ist dieses Verhalten normal oder steckt ein gesundheitliches Problem dahinter?

Eine eindeutige Erklärung für das Grasfressen gibt es bislang nicht. Bei gesunden Hunden gilt gelegentliches Grasfressen jedoch meist als normales Verhalten. Entscheidend ist, wie häufig und intensiv Ihr Hund Gras frisst und ob weitere Beschwerden wie Erbrechen, Schmatzen, Durchfall oder Appetitlosigkeit hinzukommen.

Warum fressen Hunde Gras? Es schmeckt und entspannt!

Was viele Hundebesitzer bereits beobachtet haben, untermauern auch Untersuchungen der kalifornischen UC Davis School of Veterinary Medicine: Die meisten Hunde fressen regelmäßig Gras – oft täglich oder mehrmals pro Woche.

Aber warum zeigen Hunde dieses Verhalten? In den meisten Fällen gehen mit dem Appetit auf frisches Grün keine Unregelmäßigkeiten oder auffälligen Verhaltensweisen einher. Da viele Hunde vor allem im Frühjahr Appetit auf saftige Gräser und junge Pflanzen haben, liegt die Vermutung nahe: Den Hunden schmeckt es ganz einfach. Das Knabbern kann zudem eine entspannende Wirkung haben. Viele Hunde nutzen das Benagen von Grashalmen zur Beruhigung oder als Beschäftigung in ruhigen Momenten.

Mit anderen Worten: Grasfressen gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire Ihres Hundes. Wir können unsere Hunde also getrost gewähren lassen – vorausgesetzt natürlich, die gewählten Stellen sind frei von Pestiziden oder Düngemitteln.

Natürliche Ballaststoffe für die Darmtätigkeit

Gras enthält einen hohen Anteil an Zellulose – also unverdauliche Ballaststoffe. Diese können die natürliche Darmtätigkeit anregen und so den Verdauungsprozess unterstützen. Wissenschaftler, unter anderem aus Kalifornien, vermuten hierin ein instinktives Erbe: Da Wildtiere oft Gräser und bestimmte Blätter fressen, um durch eine verstärkte Darmbewegung die Selbstreinigung des Darms zu fördern, wird davon ausgegangen, dass unsere Haustiere dieses Verhalten beibehalten haben.

Es handelt sich hierbei jedoch um eine Hypothese. Unbestritten ist zwar, dass Ballaststoffe die Verdauung fördern, doch sollte das Grasfressen keinesfalls als Ersatz für eine fachgerechte Parasitenvorsorge betrachtet werden. Grasflächen können selbst mit Wurmeiern oder Larven belastet sein. Um Ihren Hund zuverlässig vor Darmparasiten zu schützen, bleibt eine regelmäßige, sachgerechte Vorsorge in Abstimmung mit Ihrem Tierarzt unerlässlich.

Hund frisst Gras – und erbricht

Gelegentlich lässt sich beobachten, dass Hunde nach dem Verzehr von Gras erbrechen. Das Erbrochene zeigt sich dabei oft als Mischung aus Grashalmen und hellem Schaum. Auch wenn dieser Anblick zunächst beunruhigend wirken kann, steckt meist ein natürlicher Vorgang dahinter: Es wird vermutet, dass Hunde Gras instinktiv nutzen, um den Magen bei Unwohlsein zu entlasten und einen Reinigungsreiz auszulösen.

In solchen Momenten ist Ihre Beobachtungsgabe gefragt: Wirkt Ihr Hund ansonsten vital und entspannt? Tritt das Erbrechen nur einmalig auf und zeigt das Tier danach wieder sein gewohntes, fröhliches Verhalten? Oder wirkt der Hund unruhig, zeigt eine angespannte Körperhaltung oder andere Auffälligkeiten, die auf eine Empfindlichkeit im Magen-Darm-Bereich hindeuten könnten?

Symptom Grasfressen, Schmatzen, Aufstoßen: Fokus auf die Magensäure

Viele Hundehalter:innen fragen sich: Warum frisst mein Hund plötzlich so große Mengen Gras? Wenn ein Hund auffallend intensiv Gras aufnimmt und dies mit häufigem Aufstoßen, Schmatzen oder vermehrtem Speicheln einhergeht, können dies Anzeichen für ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt des Magens sein.

Eine verstärkte Produktion von Magensäure kann vielfältige Ursachen haben. Ein wesentlicher Faktor, der sich oft gut optimieren lässt, ist die Zusammensetzung der täglichen Nahrung. Dabei muss nicht zwingend eine generelle Unverträglichkeit vorliegen. Die Erfahrung zeigt, dass beispielsweise ein sehr hoher Fleischanteil die Säureproduktion im Magen stark anregen kann.

Besonders bei individuellen Fütterungskonzepten wie dem Barfen empfiehlt es sich, solche Beobachtungen im Rahmen einer kompetenten Ernährungsberatung zu besprechen und die Futterration anzupassen. Sollte eine Optimierung der Fütterung keine Veränderung bewirken, ist ein Besuch in der Tierarztpraxis ratsam, um die Ursachen fachgerecht abzuklären.

Ist Grasfressen wegen Parasiten gefährlich?

Grasfressen schützt einen Hund nicht zuverlässig vor Würmern oder anderen Darmparasiten. Im Gegenteil: Verunreinigte Grünflächen können unter anderem mit Parasitenstadien oder dem Kot anderer Tiere belastet sein.

Eine angemessene Parasitenvorsorge sollte sich am individuellen Risiko des Hundes orientieren. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Tierarztpraxis beraten. Abhängig von Haltung und Lebensweise können regelmäßige Kotuntersuchungen oder andere Maßnahmen empfohlen werden.

Welches Gras dürfen Hunde fressen?

Wenn Ihr Hund gelegentlich Gras frisst und keine Beschwerden zeigt, müssen Sie ihn nicht grundsätzlich davon abhalten. Achten Sie jedoch darauf, wo und woran er knabbert.

Meiden Sie insbesondere:

  • frisch gedüngte oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Flächen
  • Grünstreifen an stark befahrenen Straßen
  • Felder und landwirtschaftlich genutzte Flächen
  • mit Kot verunreinigte Wiesen
  • unbekannte oder möglicherweise giftige Pflanzen
  • trockenes Gras mit spitzen Samenständen oder Grannen
  • Rasenflächen, auf denen Schneckenkorn ausgelegt wurde

Spitze Grannen können in Haut, Ohren, Nase oder andere Körperöffnungen eindringen und dort Verletzungen und Entzündungen hervorrufen. Kontrollieren Sie Ihren Hund deshalb nach Spaziergängen auf entsprechenden Wiesen besonders sorgfältig.

Ulmenrinde für Hunde mit empfindlichem Magen

Ulmenrinde enthält natürliche Schleimstoffe. Mit Wasser vermischt, entsteht eine gelartige Masse. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Ulmenrinde traditionell ergänzend bei empfindlicher Verdauung verwendet.

Eine Behandlung für die Ursache von starkem Grasfressen, wiederkehrendem Erbrechen oder anderen Magen-Darm-Beschwerden ist sie jedoch nicht. Die wissenschaftliche Datenlage zur Wirkung und optimalen Dosierung bei Hunden ist begrenzt.

Da die Schleimstoffe möglicherweise die Aufnahme gleichzeitig verabreichter Medikamente beeinflussen können, sollte zwischen den Gaben ausreichend Abstand liegen. Besprechen Sie die Anwendung insbesondere bei chronisch kranken Hunden oder bei gleichzeitiger Medikamentengabe vorab mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.

Können Präbiotika gegen Grasfressen helfen?

Präbiotika dienen bestimmten Darmbakterien als Nahrungsgrundlage und können – abhängig vom Produkt und vom individuellen Hund – eine ausgewogene Darmflora unterstützen. Sie sind jedoch keine gezielte Behandlung gegen Grasfressen.

Frisst ein Hund Gras, ohne weitere Beschwerden zu zeigen, besteht allein deshalb kein Grund, ein Ergänzungsfuttermittel zu geben. Bei wiederkehrenden Verdauungsproblemen sollte zunächst geklärt werden, welche Ursache dahintersteckt und ob eine Ergänzung zur bestehenden Fütterung passt.

Was tun, wenn Grashalme am Kot hängen?

Lange, unzerkaute Grashalme können den Verdauungstrakt passieren und beim Kotabsatz sichtbar werden. Hängt ein Halm aus dem After, sollte nicht kräftig daran gezogen werden. Er könnte noch weiter im Darm liegen und durch das Ziehen Schmerzen oder Verletzungen verursachen.

Entfernen Sie lediglich lose Rückstände vorsichtig mit einem feuchten Tuch. Lässt sich der Halm nicht ohne Widerstand lösen, zeigt der Hund Schmerzen oder hat er Schwierigkeiten beim Kotabsatz, wenden Sie sich an eine Tierarztpraxis.

Fazit: Gelegentliches Grasfressen ist meist normal

Warum Hunde Gras fressen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise mögen sie den Geschmack, nutzen das Knabbern als Beschäftigung oder zeigen ein ererbtes Verhaltensmuster. Für die meisten gesunden Hunde ist gelegentliches Grasfressen kein Grund zur Sorge.

Achten Sie darauf, dass Ihr Hund nur an unbelasteten Stellen frisst und keine unbekannten Pflanzen aufnimmt. Tritt das Verhalten plötzlich sehr intensiv auf oder wird es von wiederholtem Erbrechen, Durchfall, Schmerzen, Appetitlosigkeit oder anderen Auffälligkeiten begleitet, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

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