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Allergien beim Hund: Wenn das Immunsystem verrückt spielt

Allergien sind bei genauerer Betrachtung ein erstaunliches Phänomen: Das hochentwickelte Immunsystem von Hunden und Menschen schützt den Körper täglich vor zahlreichen Gefahren. Doch manchmal reagiert es auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen oder bestimmte Futterproteine übermäßig stark. Die Folge können Juckreiz, Hautentzündungen und weitere Beschwerden sein, die das Wohlbefinden des Hundes erheblich beeinträchtigen.

Dr. Stefanie Mallmann Dr. Stefanie Mallmann · 8 Min. Lesezeit

Allergien beim Hund: Symptome erkennen, Ursachen finden und richtig behandeln

Warum das Immunsystem mancher Hunde auf eigentlich harmlose Stoffe überreagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch: Allergische Erkrankungen können die Lebensqualität betroffener Hunde deutlich beeinträchtigen. Vor allem anhaltender Juckreiz, wiederkehrende Hautentzündungen und Ohrprobleme stellen für Hund und Halter eine große Belastung dar.

Umso wichtiger ist es, mögliche Anzeichen frühzeitig zu erkennen und die Ursache tierärztlich abklären zu lassen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Allergieformen bei Hunden vorkommen, wie sie sich bemerkbar machen und welche Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung bestehen.

Welche Allergien gibt es beim Hund?

Hunde können auf unterschiedliche Stoffe reagieren. Bei allergisch bedingten Hautproblemen stehen vor allem drei Formen im Mittelpunkt: die Flohspeichelallergie, die Futtermittelallergie und die Umweltallergie, auch atopische Dermatitis genannt. Mehrere Allergieformen können gleichzeitig auftreten.

Flohspeichelallergie

Bei einer Flohspeichelallergie reagiert der Hund überempfindlich auf Bestandteile des Speichels, die beim Flohbiss in die Haut gelangen. Bei stark sensibilisierten Hunden können bereits wenige Flohbisse ausgeprägten Juckreiz auslösen.

Eine Flohspeichelallergie ist nicht mit einem starken Flohbefall gleichzusetzen. Da sich Flöhe nur zeitweise auf dem Hund befinden können, schließt ein fehlender sichtbarer Flohnachweis die Allergie nicht sicher aus. Typisch sind Juckreiz und Hautveränderungen, insbesondere im Bereich des hinteren Rückens, des Schwanzansatzes und der Hinterbeine. Eine konsequente, tierärztlich abgestimmte Flohkontrolle aller Tiere im Haushalt ist deshalb ein wichtiger Bestandteil von Diagnose und Behandlung.

Futtermittelallergie

Bei einer Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Bestandteile des Futters – meist auf Proteine. Grundsätzlich kann eine Reaktion auf jeden bereits aufgenommenen Futterbestandteil entstehen. Eine Futtermittelallergie kann sich in jedem Alter entwickeln.

Häufig zeigt sie sich durch ganzjährigen Juckreiz, wiederkehrende Haut- oder Ohrentzündungen und entzündete Pfoten. Bei manchen Hunden kommen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, häufigerer Kotabsatz, weicher Kot, Durchfall oder Erbrechen hinzu.

Ob tatsächlich eine Futtermittelallergie vorliegt, lässt sich nicht zuverlässig durch einen Blut-, Speichel- oder Haartest feststellen. Als diagnostischer Standard gilt eine konsequent durchgeführte Ausschlussdiät mit anschließender kontrollierter Provokation.

Umweltallergie oder atopische Dermatitis

Bei einer Umweltallergie reagiert der Hund auf an sich harmlose Stoffe aus seiner Umgebung, beispielsweise Pollen, Gräser, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzsporen. Anders als Menschen mit Heuschnupfen zeigen betroffene Hunde meist keine laufende Nase, sondern vor allem Juckreiz und entzündete Haut.

Häufig betroffen sind Gesicht, Ohren, Pfoten, Achseln, Leistenregion und Bauch. Die ersten Beschwerden treten oft bei jungen Hunden auf. Je nach Auslöser können sie saisonal oder ganzjährig bestehen.

Woran erkennen Sie eine Allergie beim Hund?

Das häufigste Anzeichen einer Allergie ist Juckreiz. Dieser äußert sich nicht nur durch Kratzen. Auch vermehrtes Lecken, Knabbern, Reiben, Wälzen oder Kopfschütteln können darauf hindeuten.

Mögliche Symptome sind:

  • häufiges Kratzen, Lecken, Knabbern oder Reiben
  • gerötete oder gereizte Haut
  • kahle Stellen und vermehrter Haarverlust
  • Krusten, Pusteln oder nässende Hautbereiche
  • wiederkehrende Entzündungen der Ohren
  • entzündete oder intensiv beleckte Pfoten
  • unangenehmer Haut- oder Ohrgeruch
  • verdickte oder dunkel verfärbte Haut bei chronischen Verläufen
  • Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei Futtermittelreaktionen

Durch anhaltendes Kratzen und Lecken wird die Hautbarriere geschädigt. Bakterien und Hefepilze können sich daraufhin leichter vermehren und Sekundärinfektionen verursachen. Diese verstärken Juckreiz und Entzündung zusätzlich und müssen gezielt behandelt werden.

Die genannten Beschwerden sind nicht spezifisch für eine Allergie. Auch Parasiten, Infektionen, Fremdkörper oder andere Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen. Eine tierärztliche Untersuchung ist deshalb unverzichtbar.

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Wie wird eine Allergie beim Hund diagnostiziert?

Die Diagnose erfordert häufig mehrere Schritte. Einen einzelnen Test, der zweifelsfrei bestätigt, ob und an welcher Allergie ein Hund leidet, gibt es nicht. Entscheidend ist eine systematische Allergieabklärung.

1. Vorgeschichte und Untersuchung

Zu Beginn werden die Krankengeschichte, die Art und Verteilung des Juckreizes, mögliche saisonale Schwankungen, die Fütterung und der bisherige Parasiten- und Flohschutz erfasst. Anschließend werden Haut, Fell, Pfoten und Ohren gründlich untersucht.

2. Andere Ursachen ausschließen

Parasiten, bakterielle Infektionen, Hefepilze und andere Hauterkrankungen können allergische Beschwerden nachahmen oder zusätzlich auftreten. Je nach Befund können beispielsweise Hautabstriche, zytologische Untersuchungen, Hautgeschabsel oder weitere diagnostische Maßnahmen notwendig sein.

3. Flohspeichelallergie abklären

Auch wenn keine Flöhe sichtbar sind, kann eine konsequente Flohkontrolle erforderlich sein. Dabei sollten alle im Haushalt lebenden Tiere und gegebenenfalls auch die Umgebung berücksichtigt werden. Geeignete Präparate und die Dauer der Anwendung sollten mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.

4. Futtermittelallergie prüfen

Eine Futtermittelallergie wird mithilfe einer tierärztlich begleiteten Ausschlussdiät untersucht. Dabei erhält der Hund über einen festgelegten Zeitraum ausschließlich eine geeignete Diät, in der Regel mit hydrolysierten Proteinen oder ausgewählten, bislang nicht gefütterten Proteinquellen. Leckerlis, Kauartikel, aromatisierte Medikamente und Futterreste können das Ergebnis verfälschen und sind während dieser Zeit tabu.

Bessern sich die Beschwerden, ist zur Bestätigung eine kontrollierte Provokation mit dem vorherigen Futter notwendig. Treten die Symptome erneut auf, stützt dies die Diagnose einer Futtermittelallergie.

5. Umweltallergie diagnostizieren

Die atopische Dermatitis ist eine klinische Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Andere Ursachen des Juckreizes sowie eine Flohspeichel- und Futtermittelallergie müssen zunächst geprüft beziehungsweise ausgeschlossen werden.

Blut- oder Hauttests weisen eine Umweltallergie nicht eigenständig nach. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn nach gestellter klinischer Diagnose die relevanten Allergene für eine allergenspezifische Immuntherapie ausgewählt werden sollen.

Warum Geduld bei der Allergieabklärung wichtig ist

Floh-, Futter- und Umweltallergien können sehr ähnliche Symptome hervorrufen. Gleichzeitig können mehrere Allergien und Sekundärinfektionen zusammen auftreten. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine enge Abstimmung mit der behandelnden Tierarztpraxis wichtig.

Auch wenn die Abklärung Zeit benötigt: Eine möglichst genaue Diagnose schafft die Grundlage für eine langfristig passende Therapie. Eine rein symptomatische Behandlung ohne Suche nach den Auslösern kann dazu führen, dass Beschwerden immer wiederkehren.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach der Allergieform, der Stärke der Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen. Häufig werden mehrere Maßnahmen miteinander kombiniert. Allergien begleiten einen Hund meist langfristig, lassen sich mit einem individuell abgestimmten Behandlungskonzept aber oft gut kontrollieren.

Auslöser möglichst vermeiden

Bei einer bestätigten Futtermittelallergie sollten die auslösenden Bestandteile dauerhaft gemieden werden. Bei einer Flohspeichelallergie ist ein lückenloser Flohschutz entscheidend.

Umweltallergene lassen sich dagegen meist nicht vollständig vermeiden. Je nach Auslöser können unterstützende Maßnahmen sinnvoll sein – beispielsweise das Abspülen der Pfoten nach Spaziergängen oder die regelmäßige Reinigung von Liegeplätzen. Diese Maßnahmen ersetzen jedoch keine tierärztliche Behandlung.

Juckreiz und Entzündung lindern

Zur Linderung von Juckreiz und Entzündungen stehen verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung. Dazu zählen je nach individuellem Fall unter anderem Glukokortikoide, Oclacitinib, Ciclosporin oder Lokivetmab. Auswahl, Dosierung und Dauer richten sich nach Alter, Gesundheitszustand und Beschwerdebild des Hundes und gehören in tierärztliche Hände.

Ergänzend können eine auf die Haut abgestimmte Pflege, medizinische Shampoos oder Schäume sowie essenzielle Fettsäuren sinnvoll sein. Wie stark solche Maßnahmen helfen, ist individuell verschieden. Sie sollten als Teil eines abgestimmten Gesamtkonzepts betrachtet werden und nicht als Ersatz für notwendige Medikamente.

Allergen-spezifische Immuntherapie

Bei einer diagnostizierten Umweltallergie kann eine allergenspezifische Immuntherapie, häufig auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung genannt, infrage kommen. Dabei erhält der Hund über einen längeren Zeitraum eine individuell zusammengestellte Allergenlösung. Ziel ist es, die Reaktion des Immunsystems auf die relevanten Allergene zu verringern.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein und fällt individuell unterschiedlich aus. Häufig müssen Medikamente und Hautpflege zunächst weitergeführt werden. Ob eine Immuntherapie geeignet ist, sollte gemeinsam mit einer tierärztlichen Dermatologin oder einem tierärztlichen Dermatologen entschieden werden.

Sekundärinfektionen behandeln

Bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Sekundärinfektionen können den Juckreiz erheblich verstärken. Ihre Behandlung richtet sich nach Art, Ort und Schweregrad der Infektion. In manchen Fällen reichen lokal angewendete Präparate wie medizinische Shampoos, Schäume oder Lösungen aus; in anderen sind systemische Medikamente notwendig. Antibiotika sollten nur nach tierärztlicher Diagnose und bei entsprechender Indikation eingesetzt werden.

An wen wenden Sie sich bei Verdacht auf eine Allergie?

Ihre Haustierarztpraxis ist die erste Anlaufstelle. Dort können häufige Ursachen des Juckreizes untersucht, erste Behandlungen eingeleitet und die weiteren diagnostischen Schritte geplant werden.

Bei starken, wiederkehrenden oder schwer einzuordnenden Beschwerden kann die Überweisung an eine tierärztliche Fachpraxis für Dermatologie sinnvoll sein. Spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte verfügen über besondere Erfahrung mit komplexen Hauterkrankungen, Ausschlussdiäten, Allergiediagnostik und allergenspezifischer Immuntherapie.

Je früher die Ursache hartnäckiger Haut- oder Ohrprobleme systematisch abgeklärt wird, desto besser lässt sich ein langfristig passender Behandlungsplan entwickeln.

Fazit: Allergien beim Hund lassen sich häufig gut kontrollieren

Juckreiz, entzündete Pfoten und wiederkehrende Ohr- oder Hautprobleme können auf eine Allergie hindeuten, haben aber auch andere mögliche Ursachen. Deshalb ist eine sorgfältige tierärztliche Abklärung entscheidend.

Die Diagnose kann Zeit und Geduld erfordern. Ist bekannt, welche Allergieform vorliegt und welche Begleiterkrankungen bestehen, lassen sich die Beschwerden mit einer Kombination aus Allergenvermeidung, gezielter Therapie und unterstützender Hautpflege häufig deutlich reduzieren.